02.02.2013 | Grenze mitten durch die Stadt

VS-Zollhaus. Eine Grenze zieht sich mitten durch Villingen-Schwenningen. Männer in badischen und württembergischen Uniformen haben Position am Schlagbaum bezogen. Zurück in Zeiten, als Großherzog und König regierten, ging es gestern in Zollhaus: Die Gockel-Gilde kassierte Zoll.Manch Autofahrer reagierte verwundert, als es hieß: "Laut Verordnung des Königs von Württemberg und des Großherzogs von Baden müssen wir für die Durchfahrt einen Wegzoll erheben."

 

Doch die meisten zeigten sich großzügig, spendet der Verein das Geld doch dem doppelstädtischen Hospiz Via Luce. Und erinnerte mit der Aktion an die Geschichte: 1736 entstand zwischen Villingen und Schwenningen die erste Zollstation des Königreichs Württemberg und des Großherzogtums Baden, die dem Ort auch den Namen Zollhaus gab.

Zum 50-jährigen Bestehen sei die Gockel-Gilde auf die Idee gekommen, eine besondere Aktion zu starten, erklärt Ehrenobergockel Horst Brunner. Und so bauten die Narren 2005 zum ersten Mal an der Straße beim Grenzweg ihren Zoll samt Schlagbaum und Wachhäusle auf. Dieses Jahr nun zum vierten Mal in Folge, erzählt Brunner. Und wieder hatte er sich mit seinen Kollegen Uniformen von einem Kostümverleih besorgt, um sich in schwarz-weißes oder gelb-rotes Gewand zu hüllen.

Den Spaß machten viele Autofahrer mit. "Sind Sie jetzt ein Württemberger oder ein Badener", fragte eine Frau den Ehrenobergockel und gab dem Vertreter des Großherzogtums als Schwenningerin doch einen "länderverbindenden" Obolus. Gerade als die Passanten hörten, dass die Spende dem Hospiz Via Luce zugute kommt, zogen sie auch Fünf- oder Zehn-Euro-Scheine aus dem Portemonnaie. Der eine, der kaum Geld in der Tasche hatte, versprach, am Abend noch mal vorbeizuschauen. Der nächste kratzte das letzte Kleingeld zusammen. Einige seien extra über Zollhaus gefahren, da sie von der Aktion wussten, erzählte Brunner. Für jeden gab’s denn eine besondere Erinnerung: ein Baden-Württemberg-Ticket der Gockel-Gilde, das zur zollfreien Überquerung der Grenze berechtigt.

Aber auch Zollhäusler, die gar nicht in den anderen Landesteil wollten, unterstützten ihre Gockel-Gilde. "Soldaten brauchen Verpflegung", stellte eine ältere Frau fest, die nicht nur Geld in die Sammelbüchse warf, sondern gleich auch Proviant versprach. Ein anderer hatte eine Tüte voller Brezeln unterm Arm. Über diese Zuwendung freuten sich die Zöllner, denn nach Eiseskälte und Schnee in den vergangenen beiden Jahren harrten sie nun Stunden im Regen. Von mittags bis in den Abend trennte gestern eine Grenze die Doppelstadt.

Bild und Text: Schwarzwälder Bote (02.02.13)